Was ist der Engpass unserer Bio-Kochweise und wie können wir es schaffen, weniger Plastikmüll zu erzeugen? Zu diesen beiden Fragen haben wir vor einigen Jahren eine Familien-Challenge ausgerufen. Wir wollten es wissen und wir wollten ausprobieren, wie weit wir kommen.
David Martin lädt gerade ein, sich auf eine konsequente Bio-Erlebnisreise zu machen. Ob zu Hause oder unterwegs, ob am Bahnhof oder in einem bio-ausgezeichnetem Restaurant, ob in der Kantine oder bei den Süßigkeiten am Abend, wie verändert es den Geschmack und die Perspektive auf Lebensmittel, wie verändert es die täglichen Wege und das Bewusstsein?
Unser Experiment in der Familie liegt nun 12 Jahre zurück. Der Aufruf von David hat unser Experiment nun in die Gegenwart geholt: „oh das war anstrengend“, sagte meine älteste Tochter. Sie war damals etwa 14 Jahre alt. Die mittlere erinnert sich daran, dass es keine Snacks mehr gab, dass Schokoriegel mit erst Alu, dann eine Schicht Papier, dann noch ´mal Plastik und schließlich eine Box Außen herum, nicht mehr im Einkaufskorb landeten. Meine jüngste Tochter war damals acht Jahre alt, auch ihr ist „wir wollten keinen Müll mehr machen“ in lebhafter Erinnerung. Mein Mann und ich, wir erinnern stärker die Herausforderung Bio – denn wir wollten ausprobieren, wie weit wir insbesondere biodynamisch kommen, ohne Veränderung des Konsummusters. Gemüse, Obst, Milchprodukte, Eier, Rindfleisch und Öl holen wir auf einem befreundetem Demeterhof. Zwei, dreimal pro Woche eine grüne Kiste voll, mal mehr, ´mal weniger direkt vom Feld. Demeterbrot erfordert nach wie vor eine gute Planung und wir bemerkten, dass wir dies nur Freitag oder Samstag kaufen und unter der Woche einen recht langen Weg in der Mittagspause einlegen müssten. In den sechs Wochen hatten wir öfter zu wenig Brot im Haus, das war eine Herausforderung. Insgesamt haben wir den Fleischverzehr in der Zeit reduziert. Wurst oder Speckwürfelchen blieben in unserer nur Bio & Plastikfrei-Zeit außen vor. Wir brauchten deutlich mehr Zeit zum Einkaufen, mussten besser planen und Wege ändern. Verpackte Süßigkeiten wurden vom Backen abgelöst, schnell ´mal eine Pizza essen gehen, gab es in den sechs Wochen nicht.
Diese sechs Wochen wurden tatsächlich Familienzeit, denn wir wollten es zusammen schaffen. Ob es tatsächlich ein einziger gelbe Sack geworden ist, weiß niemand so genau. Geblieben ist das Bewusstsein für natürliche Erzeugnisse, eine große Lust am Kochen, Essen und Einkaufen auf dem Hof und das Augenmerk auf Müllvermeidung. Unsere Töchter sagen manchmal „so viel Bio, wir ihr einkauft, dass schaffe ich nicht“. Ihre Strategien sind Second Hand, Tauschen, Lebensmittel retten, vegan und vegetarisch, um mit der Frage, was sie zum Leben brauchen, was sie sich leisten können und was ihnen wichtig ist, umzugehen.
Ich selbst frage mich das vor allem, wenn ich unterwegs bin, ein Reiseproviant für die Rückfahrt suche oder beim Frühstücksbuffet im Hotel an meinen eigenen Kühlschrank denke. Mir geht es gut, wenn ich mich beim Essen entspannen kann. Die Atmosphäre und die Art wie das Lebensmittel zubereitet wurde, trägt dazu bei. In der Kontrasterfahrung wird mir deutlich, dass ich koche, weil: ich mit dem Gemüse auch ein Stück des Bodens schmecke, weil im Obst, den Getreidefeldern und den Wiesen die Insektenwelt flattert, weil ich beim Einkaufen Menschen begegne, die zu Freunden geworden sind, weil ich mich mit den Lebensmitteln wach und genährt fühle und weil es mir Freude macht, natürliche Lebensmittel in die Hand zu nehmen.